Lieblingsbuch für den Strandkorb: Elizabeth auf Rügen

Cover-ElizabethvonArnim-2Romane über Rügen gibt es in riesiger Auswahl: Vor allem Kriminal- und Liebesromane versprechen spannende und unterhaltsame Stunden im Strandkorb. Zu meinen Lieblingsbüchern für diesen Anlass zählt eines, das mehr als hundert Jahre alt ist, aber noch immer ganz frisch wirkt und einen großen Lesegenuss bietet: Der Reiseroman »Elizabeth auf Rügen« von Elizabeth von Arnim.

Ich weiß nicht mehr, was mich reizte, gerade zu diesem Titel zu greifen, als ich im Mai 2006 – wie immer, wenn ich in Binz bin – in der »Bücherinsel« von Dörte Pietsch am Ende der Hauptstraße nach neuer Lektüre Ausschau hielt.

Neugierig machte mich schon der Name der Autorin, ein englischer Vorname (Elizabeth mit z statt s) in Kombination mit einem deutschen Nachnamen, den man sofort mit romantischer Dichtung assoziiert. Dass das Leben der unkonventionellen Elizabeth selbst ein Roman ist, erfuhr ich erst, als ich beim Nachwort angekommen war. Als Mary Annette Beauchamp wurde sie 1866 in Neuseeland geboren, in England wuchs sie auf, in Berlin und auf einem Gut in Pommern lebte sie mit ihrem ersten Ehemann, dem fünfzehn Jahre älteren Henning August Graf von Arnim-Schlagenthin, nach der Scheidung zog sie zurück nach London, wo sie einen Earl heiratete, später wohnte sie in Südfrankreich und den USA, dort starb sie 1941. Unter dem Pseudonym Elizabeth von Arnim veröffentlichte sie ab 1898 insgesamt rund 25 Romane und war eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit.

Der heitere, leichte Ton gefiel mir sofort. Und dann dieser verwegene Plan: Elizabeth liest einen schwärmerischen Bericht über Rügen und beschließt, zusammen mit Freundinnen einmal rund um die Insel zu wandern. Um 1900 zumindest für eine Frau ein absolut unschickliches Vorhaben. Da niemand bereit ist, sie zu begleiten, wählt sie eine Alternative: Gemeinsam mit ihrer »Jungfer Gertrud« – Dienstmädchen und Gesellschafterin zugleich – und Kutscher August geht es mit einem Zweispänner von Miltzow aus auf eine elftägige Reise rund um Rügen, mit Abstechern nach Vilm und Hiddensee. Obwohl natürlich im Detail damals vieles anders war, als es heute ist, staunt man immer wieder, wie viele Parallelen sich doch erkennen lassen: Teures und schlechtes Essen, überfüllte Restaurants, ausgebuchte Hotels, missgelaunte Urlauber – all das kann man auch heute noch auf Rügen (und nicht nur dort) erleben. Und dass Hindernisse und Missgeschicke der realen Reise leicht mit den übersteigerten Erwartungen kollidieren, die der Reiseführer geweckt hat, ist den meisten Urlaubern sicher ebenfalls vertraut. Glücklicherweise hat sich aber auch viel von der unvergleichlich schönen Landschaft erhalten, die von Arnim in schwelgerischen Beschreibungen vorstellt.

Elizabeth von Armin erweist sich als aufmerksame Beobachterin, die Land, Leute, Sitten, Gebräuche und ihr eigenes Verhalten mit Nachsicht, Selbstironie und mildem Spott beurteilt. Komische Missverständnisse entstehen oft, weil niemand glauben will, dass sie als verheiratete Frau allein unterwegs ist.

Die amüsanten Episoden und die zauberhaften, alle Sinne ansprechenden Schilderungen verraten viel Lebensklugheit, Menschen- und Naturkenntnis.

Elizabeth von Arnims Reiseroman zu lesen, macht enorm viel Vergnügen!

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