Längst kein Geheimtipp mehr: Fischräucherei Kuse in Binz

Kuse-Haus

Schon früh steigt ein zartes Rauchfähnchen aus dem Schornstein auf und pustet den Geruch von frischem Räucherfisch in die Morgenluft am Ende der Binzer Strandpromenade. Kurz vor dem Beginn der Granitz liegt auf der linken Seite der flache Klinkerbau der Fischräucherei Kuse (kein Schreibfehler) im Dünengürtel. Das Boot von Jürgen Kuse ist am Strand weithin sichtbar und eines der meistfotografierten Motive im Ort.

Wenn ich – wie zuletzt häufig – in der Villa Agnes wohne, kann ich im März den letzten Fischer von Binz, seinen Sohn und seine Mitarbeiter dabei beobachten, wie sie stundenlang Heringe aus den Netzen friemeln.

Kuse-Fischer

Um neun öffnet der Verkauf, und oft warten dann bereits erste Urlauber vor der Tür, die sich vor ihrer Rückreise noch rasch mit Vorräten für Zuhause eindecken wollen. Räucherfisch von Kuse scheint ein gefragtes Mitbringsel zu sein.

Bei Kuse kaufen Sie in erster Linie Räucherfisch: Stremellachs, Heilbutt, Rotbarsch, Makrele, Butterfisch und Sprotten zum Beispiel – alles wunderbar frisch und saftig. Manchmal ist auch Frischfisch im Angebot. Nicht mein Fall sind die mit Ananas gefüllten »Fischerlocken«, die Geschmäcker sind eben verschieden. Dafür finde ich die marinierten Pfefferheringe sensationell – sie haben genau die richtige Balance zwischen scharf und sauer. Mit Pell- oder Bratkartoffeln ein absolut leckeres Mittagessen, das auch in der Miniküche einer Ferienwohnung ruckzuck zubereitet ist.

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Sie können den Fisch auch direkt dort verzehren. Im Angebot sind allerdings nur kalte Speisen, ganz schlicht und unkompliziert. Es gibt Räucherfisch im Stück mit Brötchen oder Kartoffelsalat oder belegte Brötchenhälften. An Getränken stehen Kaffee, Tee, Kakao, Glühwein, Bier, Klare und Softgetränke zur Wahl. Das war’s und es reicht doch völlig aus, um glücklich zu sein. Vor allem, wenn Sie einen Platz auf der Terrasse ergattern, von der aus Sie einen traumhaften Panoramablick über die Binzer Bucht, Seebrücke und Kurhaus haben. Hier sitzen Sie so geschützt, dass Sie sich schon von den ersten Sonnenstrahlen Ende Februar oder Anfang März wärmen lassen können. Um die Krümel kümmern sich die Spatzen hingebungsvoll.

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Es herrscht übrigens Selbstbedienung: Speisen und Getränke werden an der Verkaufstheke abgeholt, das schmutzige Geschirr wird später zurückgestellt.

Wer Räucherfisch liebt, sollte einen Besuch bei Kuse unbedingt einplanen.

Über den letzten Fischer von Binz gibt es auch verschiedene Fernsehberichte. Hier z. B. vom NDR: „Typisch! Der Strandfischer von Binz“

Fischräucherei Kuse, Am Fischerstrand, 18609 Ostseebad Binz, Telefon 038393-2970
Öffnungszeiten: März bis Dezember täglich ab 9 Uhr

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Lieblingslokal in Binz: Die Strandhalle

Es ist oft gar nicht so leicht, am Urlaubsort Lokale mit richtig guter Küche zu finden. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Restaurants, die mit vollmundigen Anzeigen in den Touristeninformationen werben, nicht überzeugen. Und so habe ich die besten Adressen oft erst relativ spät entdeckt. So erging es mir auch mit der Strandhalle bei meinem ersten Urlaub in Binz im Jahr 2000. Sie liegt etwas versteckt fast am Ende der Promenade und macht nirgendwo Werbung. Wozu auch? Die Genießer finden die Strandhalle irgendwann trotzdem. In der Vorsaison hat man mittags manchmal das Glück, ohne Anmeldung einen freien Tisch zu bekommen, abends geht ohne Reservierung meist nichts.

Binz-Strandhalle

Beeindruckend ist zunächst die Halle selbst, die viel größer ist, als das Äußere vermuten lässt. Der Holzbau mit der hohen Decke wurde früher als Winterlager für Strandkörbe genutzt und im Sommer als Tanzsaal. Heute umfängt den Besucher sogleich eine Atmosphäre charmanter Plüschigkeit. Tische, Sessel, Sofas und Stühle präsentieren sich als bunter Mix aus den verschiedensten historischen Epochen und Stilen. Am schönsten sitzt es sich auf der hellen, verglasten Veranda mit Meerblick, doch die Plätze dort sind fast immer besetzt. Weiter hinten im Raum ist es etwas dunkler, aber dafür sehr gemütlich. Empfang und Service sind auch bei größerem Andrang ausgesprochen freundlich und professionell.

Die Strandhalle konzentrierte sich schon auf regionale Produkte, als das anderswo noch kein Thema war. Kurios, dass es ausgerechnet ein Ostwestfale ist, der traditionsreiche Gerichte der Insel präsentiert und neue kreiert. 1997 eröffnete der erfahrene Koch Toni Münsterteicher die Strandhalle, inzwischen ist sein Sohn in seine Fußstapfen getreten.

Die Karte ändert sich in jeder Saison, doch einige Gerichte halten sich (glücklicherweise) länger. Unbedingt empfehlenswert ist der Ostseedorsch unter der Kartoffelkruste: ein großes, saftiges Stück Fischfilet mit Schuppen aus knusprigen Kartoffelstreifchen, umgossen mit einer samtigen, hellgrünen Basilikumsoße und ergänzt durch Wirsing, bei dem nicht mit Sahne gespart wurde. Mit einer milden Birnen-Selleriesuppe vorweg und einem karamellisierten »Scheiterhaufen« mit Äpfeln und Vanilleeis als Dessert wird daraus der ultimative Menü-Klassiker, der die Lieblingsgerichte der Gäste vereint. Doch Achtung: Die Portionen sind üppig und gehaltvoll. Wer keinen ganz großen Hunger hat, sollte sich für die jeweils angebotenen kleineren Varianten entscheiden. Matjesfreunde werden mit einer reichhaltigen Platte verschiedenster Fischzubereitungen glücklich, die mit Bratkartoffeln und Gurkensalat serviert wird. Wer Deftiges mag, entscheidet sich vielleicht für Gademower Würstchen mit Speck umwickelt und im Bierteig gebacken, für Sauerfleisch oder gebratene Blutwurst. Daneben nimmt die Küche auch moderne Trends wie den spielerischen Umgang mit Texturen auf. Dafür stehen zum Beispiel Ochsenschwanzpraline, geräucherte Jakobsmuscheln, Parmesaneis und Olivenschnee. Auch Vegetarier und Veganer können sich kulinarisch verwöhnen lassen.

Die Qualität der Zubereitungen ist von gleichbleibend überzeugendem Niveau, geboten wird eine bürgerliche Küche im besten Sinne. In all den Jahren, die ich dort gegessen habe, oft auch in größeren Gruppen, gab es nie etwas zu beanstanden.

Als Aperitif empfiehlt sich Sekt mit einem Schuss Sanddornlikör, auch die Sanddornschorle ist lecker. Die Auswahl an offenen Weinen ist für ein norddeutsches Lokal in Ordnung, Biertrinker kommen sowie auf ihre Kosten, unter anderem mit den Spezialbieren der Störtebeker-Brauerei aus Stralsund, und als Digestif locken die großartigen(deshalb auch nicht ganz preiswerten) Brände der Ersten Edeldestillerie auf Rügen.

Welches ist Ihr Lieblingslokal in Binz und auf der Insel?

Strandhalle Binz, Strandpromenade 5, 18609 Ostseebad Binz, Telefon: (03 83 93) 3 15 64
Öffnungszeiten: Täglich von 12 bis 22 Uhr; Montag Ruhetag. Ab November: Di-Fr ab 17 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr; Montag Ruhetag

Schokoladentorte und Plinsen in Sellin

In „Linstows Geheimnis“ kann die Protagonistin Anna Schwanitz  Kommissar Warnke zu einem informellen Treffen überreden, denn sie möchte ihm Beobachtungen schildern, die sie gemacht hat, und aus denen sie gewagte Schlüsse zieht. Beide treffen sich im Palmengarten des Seebrücken-Restaurants von Sellin, mit gutem Grund:

„Immerhin wartet dort die beste Schokoladentorte der Insel auf uns, aus Valrhona-Schokolade.“

Irgendwann in den folgenden Jahren gab es die dick mit Schokospänen bestreuten Kuchenstückchen dort leider nicht mehr, und auch sonst schwankten die Leistungen der Küche an diesem traumhaften, vom Meer umgebenen Platz. Im Frühjahr 2014 war das Restaurant ganz geschlossen. Inzwischen hat, wenn ich richtig informiert bin, die Kurverwaltung Sellin die Bewirtschaftung übernommen. Ob es wohl wieder die ultimative Schokotorte gibt?

NACHTRAG: Bei meinem Rügenaufenthalt im März 2016 musste ich feststellen, dass es leider die ultimative Plinsenadresse nicht mehr gibt. Die Teestube und die Pension Tatjana in Sellin haben im letzten Herbst geschlossen. Superschade!

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Ich würde meine Heldin heute oberhalb der Seebrücke einkehren lassen. Im Tschaikowski – Restaurant und Teestube (Wilhelmstraße 28) – entschädigen gemütliche rote Plüschsessel, weiß gedeckte Tischchen und der sehr gastfreundliche Service für den fehlenden Ostseeblick. Die Speisekarte bietet russische Spezialitäten wie Borschtsch, Pelmeni und Warenki in bester Qualität. Hier konnte ich endlich auch testen, wie Vogelmilch schmeckt (lecker), eine (ursprünglich polnische) Süßigkeit, die in Dorota Maslowskas rebellischem Jugendroman Schneeweiß und Russenrot häufig erwähnt wird und mich wegen der merkwürdigen Bezeichnung stets aufs Neue irritierte. Doch mein absoluter Favorit im Tschaikowski sind die (süßen) Plinsen mit saurer Sahne und Preiselbeeren. Die sind ein Muss und mindestens ebenso gut wie ehemals die Schokotorte auf der Seebrücke.

Übrigens gehört zum Tschaikowski auch die Pension Tatjana im selben Haus, mit originellen Zimmern, die „Weiße Nächte“ oder „Russischer Wald“ heißen, und eine echte Alternative zu uniform ausgestatteten Hotelzimmern und Apartments sind.