Lieblingswanderung: von Göhren nach Binz

Diese Tour ist ein fester Programmpunkt jedes Rügenaufenthalts: von Göhren zurück nach Binz – rund fünfzehn abwechslungsreiche Kilometer.

Für die Hinfahrt nach Göhren haben Sie die Wahl zwischen der Bäderbahn »Rasender Roland« und dem Bus Linie 20. Der Zug ist etwas teurer und langsamer (44 zu 37 Minuten) und fährt seltener als der Bus, dafür ist die Anreise mit dem Dampfbähnchen ein nostalgisches Vergnügen und führt mitten durch die Landschaft, die anschließend durchwandert wird.

Wer sich Göhren ansehen möchte, steigt oben im Ort »Poststraße« aus, die Wanderung beginnt unten an der Bernsteinpromenade bzw. Haltestelle »Bahnhof«. Wer sich zuvor stärken möchte, kauft sich eines der leckeren Fischbrötchen in der »Räucherei« oder versorgt sich mit süßen Köstlichkeiten im Sanddornwaggon gleich nebenan.

Wir gehen bis Baabe auf der schnurgeraden Promenade, weil man im feinen weichen Sand des Nordstrands nur schwer vorankommt. So können die Blicke ungehindert von rechts nach links und wieder zurück pendeln: über die Dünen hinweg zur Ostsee auf der einen Seite und zu den Datschen und skandinavischen Holzhäuschen des Regenbogencamps auf der anderen. Die Ortsgrenze zwischen Göhren und Baabe ist nur durch eine Markierung im Pflaster zu erkennen. Spätestens am Selliner Südstrand, wo die Promenade endet, muss man ans Wasser wechseln. Die Seebrücke mit der Tauchglocke ist schon zu sehen, doch dazwischen liegt noch eine Biegung mehr als gedacht. Jetzt führt uns der Weg am Wellensaum entlang – je nach Wetter- und Wasserverhältnissen durch festen feuchten oder weichen Sand, später dann über Steine und Kies. Zur Linken ragt das Hochufer steil auf, von dem sich immer wieder mal Brocken ablösen, Bäume und Sträucher des Selliner Waldes mit sich reißend. Wir passieren wir die Bronzeskulptur »Kaysa« des Rostocker Bildhauers Thomas Jastram, die auf einem Felsen im Wasser steht, und wenn wir die Klippennase Quitzlaser Ort umrundet haben, liegt der Selliner Nordstrand mit der Seebrücke vor uns. Über die Holztreppe klettern wir 99 Stufen hinauf zur Wilhelmstraße (es gibt auch einen Lift).

In Sellin ist etwa die Hälfte der Strecke geschafft, beste Gelegenheit also für eine  Verschnaufpause. Früher hätte ich Ihnen den traumhaften Schokoladenkuchen im Restaurant auf der Seebrücke oder die köstlichen Plinsen in der Teestube Tschaikowski auf der Wilhelmstraße empfohlen. Doch leider ist die Teestube (und die Pension Tatjana) seit Herbst 2015 geschlossen und das Seebrückenrestaurant wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Pächtern geführt, mit teilweise nicht überzeugendem Angebot. Wie es im Moment um die Qualität von Speisen und Getränken bestellt ist, vermag ich nicht zu sagen, denn bei meinem letzten Aufenthalt im März 2016 war um 11:30 Uhr noch nicht geöffnet.

Doch im Bäckereicafé der »Mecklenburger Backstuben« (Wilhelmstraße 22) fühlten wir uns gut aufgehoben. Kaffee und Kuchen schmeckten prima, der Cappuccino trug eine superdicke Milchschaumhaube, es gibt auch herzhafte Snacks. Auf der Wilhelmstraße finden sich noch zahlreiche weitere Bistros, Restaurants und Cafés für jeden Geschmack und Geldbeutel. Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich?

Der zweite Teil der Wanderung ist gänzlich anders geartet als der erste. Es geht über die Granitz und das bedeutet: Buchen, Buchen, Buchen. Gehen Sie gleich hinter der Seebrückentreppe vor dem Hotel Kurhaus durch die Anlage rechts hinauf (oder über die Warmbadstraße, dann oben rechts halten). Der Weg führt im steten Auf und Ab zunächst noch relativ nahe an der Steilküste entlang und bietet immer wieder zwischen den Buchenstämmen traumhafte Durchblicke auf das smaragdfarben schimmernde Meer, bei klarer Sicht bis hin zu den Kreidefelsen. Doch Obacht vor tückischen Baumwurzeln, über die sich trefflich stolpern lässt. In den Geruch nach Meer mischt sich je nach Jahreszeit der zarte Duft von Buschwindröschen, Veilchen oder Maiglöckchen, im Herbst das erdige Aroma von Pilzen. Beim Aussichtspunkt Falkenberg (oder »Waldhalle«, nach einem inzwischen abgerissenen Ausflugslokal) biegen wir links ab ins Innere der Granitz. Der nördliche Weg weiter an den Klippen ist wegen der gefährdeten Abbruchkante nicht durchgängig begehbar. Übrigens ist es auch nicht möglich, am Strand entlang von Sellin nach Binz zu wandern, die Strecke ist durchgängig sehr steinig, und je nach Wellengang schlägt das Wasser bis an die Klippen.

Die ausgeschilderte Route führt mit einem Abstecher zum verwunschen wirkenden Schwarzen See (unbedingt empfehlenswert) bis zur Kreuzeiche und dann am Moorgebiet Große Wiese entlang, der Weg weitet sich zur teilweise mit Betonbohlen belegten Straße. Wir gehen durch die Teufelsschlucht zurück ans Ufer. Hier, am wilden Naturstrand von Binz, sind gern die Hobbybernsteinsucher unterwegs. Am Ende geht es noch wenige Meter durch Sand und über Steine und dann ist die Promenade von Binz erreicht. Alternativ kann man an der Teufelsschlucht auf der Höhe bleiben und später über eine steile Holztreppe absteigen.

Direkt am Beginn der Strandpromenade von Binz bietet sich die Fischräucherei Kuse an, den Abschluss der Wanderung gebührend zu genießen. Von der windgeschützten, sonnigen Terrasse schaut man auf die Binzer Seebrücke oder aufs Meer. Es gibt Kaffee, Softgetränke und Bier, zu essen allerdings ausschließlich Räucherfisch und sensationelle (sauer eingelegte) Pfefferheringe.

Ich wünsche viel Spaß beim Wandern und Genießen.

 

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Lieblingslokal in Binz: Die Strandhalle

Es ist oft gar nicht so leicht, am Urlaubsort Lokale mit richtig guter Küche zu finden. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Restaurants, die mit vollmundigen Anzeigen in den Touristeninformationen werben, nicht überzeugen. Und so habe ich die besten Adressen oft erst relativ spät entdeckt. So erging es mir auch mit der Strandhalle bei meinem ersten Urlaub in Binz im Jahr 2000. Sie liegt etwas versteckt fast am Ende der Promenade und macht nirgendwo Werbung. Wozu auch? Die Genießer finden die Strandhalle irgendwann trotzdem. In der Vorsaison hat man mittags manchmal das Glück, ohne Anmeldung einen freien Tisch zu bekommen, abends geht ohne Reservierung meist nichts.

Binz-Strandhalle

Beeindruckend ist zunächst die Halle selbst, die viel größer ist, als das Äußere vermuten lässt. Der Holzbau mit der hohen Decke wurde früher als Winterlager für Strandkörbe genutzt und im Sommer als Tanzsaal. Heute umfängt den Besucher sogleich eine Atmosphäre charmanter Plüschigkeit. Tische, Sessel, Sofas und Stühle präsentieren sich als bunter Mix aus den verschiedensten historischen Epochen und Stilen. Am schönsten sitzt es sich auf der hellen, verglasten Veranda mit Meerblick, doch die Plätze dort sind fast immer besetzt. Weiter hinten im Raum ist es etwas dunkler, aber dafür sehr gemütlich. Empfang und Service sind auch bei größerem Andrang ausgesprochen freundlich und professionell.

Die Strandhalle konzentrierte sich schon auf regionale Produkte, als das anderswo noch kein Thema war. Kurios, dass es ausgerechnet ein Ostwestfale ist, der traditionsreiche Gerichte der Insel präsentiert und neue kreiert. 1997 eröffnete der erfahrene Koch Toni Münsterteicher die Strandhalle, inzwischen ist sein Sohn in seine Fußstapfen getreten.

Die Karte ändert sich in jeder Saison, doch einige Gerichte halten sich (glücklicherweise) länger. Unbedingt empfehlenswert ist der Ostseedorsch unter der Kartoffelkruste: ein großes, saftiges Stück Fischfilet mit Schuppen aus knusprigen Kartoffelstreifchen, umgossen mit einer samtigen, hellgrünen Basilikumsoße und ergänzt durch Wirsing, bei dem nicht mit Sahne gespart wurde. Mit einer milden Birnen-Selleriesuppe vorweg und einem karamellisierten »Scheiterhaufen« mit Äpfeln und Vanilleeis als Dessert wird daraus der ultimative Menü-Klassiker, der die Lieblingsgerichte der Gäste vereint. Doch Achtung: Die Portionen sind üppig und gehaltvoll. Wer keinen ganz großen Hunger hat, sollte sich für die jeweils angebotenen kleineren Varianten entscheiden. Matjesfreunde werden mit einer reichhaltigen Platte verschiedenster Fischzubereitungen glücklich, die mit Bratkartoffeln und Gurkensalat serviert wird. Wer Deftiges mag, entscheidet sich vielleicht für Gademower Würstchen mit Speck umwickelt und im Bierteig gebacken, für Sauerfleisch oder gebratene Blutwurst. Daneben nimmt die Küche auch moderne Trends wie den spielerischen Umgang mit Texturen auf. Dafür stehen zum Beispiel Ochsenschwanzpraline, geräucherte Jakobsmuscheln, Parmesaneis und Olivenschnee. Auch Vegetarier und Veganer können sich kulinarisch verwöhnen lassen.

Die Qualität der Zubereitungen ist von gleichbleibend überzeugendem Niveau, geboten wird eine bürgerliche Küche im besten Sinne. In all den Jahren, die ich dort gegessen habe, oft auch in größeren Gruppen, gab es nie etwas zu beanstanden.

Als Aperitif empfiehlt sich Sekt mit einem Schuss Sanddornlikör, auch die Sanddornschorle ist lecker. Die Auswahl an offenen Weinen ist für ein norddeutsches Lokal in Ordnung, Biertrinker kommen sowie auf ihre Kosten, unter anderem mit den Spezialbieren der Störtebeker-Brauerei aus Stralsund, und als Digestif locken die großartigen(deshalb auch nicht ganz preiswerten) Brände der Ersten Edeldestillerie auf Rügen.

Welches ist Ihr Lieblingslokal in Binz und auf der Insel?

Strandhalle Binz, Strandpromenade 5, 18609 Ostseebad Binz, Telefon: (03 83 93) 3 15 64
Öffnungszeiten: Täglich von 12 bis 22 Uhr; Montag Ruhetag. Ab November: Di-Fr ab 17 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr; Montag Ruhetag

Rügen oder Sylt? Frage und TV-Tipp

Der Reise-Check. Sylt oder Rügen? Als ich beim Studium der Fernsehzeitschrift für die nächste Woche auf diese Sendung stieß, kam ich ins Grübeln. Ob sich das wirklich objektiv messen lässt? Das bezweifle ich. Aber zumindest kann ich mich ganz subjektiv fragen: Welche ist schöner? Welche gefällt mir besser?

SyltSylt kenne ich schon viel länger als Rügen. 1976 arbeitete ich dort sechs Wochen während der Hauptsaison in einem Hotel in Westerland als Zimmermädchen, danach war ich noch drei Mal dort, allerdings mit großen zeitlichen Abständen, zuletzt in diesem Frühjahr. Bei der ersten Begegnung fand ich die Insel großartig, obwohl ich sonst eher für die Ostsee schwärme. An Sylt liebe ich die Brandung, den weiten Horizont, die Muscheln, die Austern, den Strand am Ellenbogen, die grandiose Dünen-, Heide- und Moorlandschaft im Norden, den Kontrast von Watt- und Meerseite, das rote Kliff, die Kurkonzerte mit klassischer Musik in Westerland (früher zumindest). Was mir weniger gefällt: Das Schickimicki-Gehabe mancher Touristen, die Hochhäuser und die Fußgängerzone in Westerland, die Betontetrapoden am Strand, die Preise, und dass man in Westerland nicht einmal im März ohne Kontrolle ans Meer kommt.

Ruegen-Kueste

Rügen entdeckte ich erst 2000. Die Liebe wurde schnell intensiver als die zu Sylt, einmal im Jahr bin ich mindestens dort. Obwohl – ich gebe es zu –, die Ostsee meist viel zahmer ist, der Strand nicht so breit, die Zahl der Sternerestaurants geringer und das Musikprogramm beim Kurkonzert nur selten nach meinem Geschmack. Klippen findet man hier wie dort, zu viel Verkehr und „Gosch“ auch (wenn auch auf Rügen nur ein Mal, auf Sylt allgegenwärtig) und die Preise sind auf Rügen nur (unwesentlich) gemäßigter. Und trotzdem hat Rügen für mich mehr – mehr Atmosphäre, Natur, Abwechslung, Duft. Rügen hat Felder mit Raps, Klatschmohn und Kornblumen, Kreidefelsen, den rasenden Roland, die Granitz mit Buschwindröschen und Maiglöckchen, die Zicker Alpen, die wunderbare Bäderarchitektur, Ferienwohnungen mit tollem Meerblick, alte Alleen, Kopfsteinpflaster, hutzlige Dörfer … Sie merken es, ich bin parteiisch.

Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis Susanne Gebhardt kommt, die den Beitrag für die ARD erstellt hat. Sendetermin: Montag, 13. April, 20.15 bis 21.00 Uhr. Und wie beantworten Sie die Frage Rügen oder Sylt?

Schreiben mit Aussicht

Mit Meerblick kann ich viel leichter schreiben. Ich weiß nicht mehr, wann ich das zuerst bemerkte, aber die Weitsicht bis zum Horizont scheint mich gleichermaßen zu beruhigen und zu inspirieren.  Da ich bin ansonsten extrem langsam schreibe und ewig an meinen Sätzen herumbastele, ist das ein wirklicher Gewinn. Aus diesem Grund bin ich gerne und oft in Binz, lieber als an vielen anderen Orten am Meer. Denn hier gibt es eine vier Kilometer lange, autofreie Promenade, gesäumt von großartigen Villen mit Ornamenten, Rosetten, Türmchen und Erkern, von denen viele an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut wurden. Und in diesen Villen stehen ganz modern ausgestattete Apartments mit Meerblick in großer Zahl zur Auswahl. Zugegeben, es ist etwas teurer als ohne Aussicht, aber die Produktivitätssteigerung macht das wett. In der Vorsaison sind die Wohnungen durchaus bezahlbar, ich halte bevorzugt nach solchen mit einem Erker oder Wintergarten Ausschau, dann habe ich den idealen Schreibplatz, auch wenn die Temperaturen noch niedrig sind.

Im Frühjahr 2000 war ich zum ersten Mal in Binz, damals in der Villa Elfeld. Die Traumwohnung im Turm konnte ich mir nicht leisten, meine besaß nur einen kleinen Seitenerker mit Sessel und Tischchen, doch das genügte. Hier hielt ich mich fast ausschließlich auf, obwohl es einen geräumigen Wohn-Essraum gab. Glücklicherweise konnte ich den freundlichen Hausverwalter überreden, mir einen größeren Tisch in den Erker zu stellen, so waren drei Schreibwochen mit Meerblick gerettet. Wer mit dem Auto fährt, sollte vielleicht für solche Fälle die Anschaffung eines Reiseklapptischs in Erwägung ziehen.

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Viele Jahre lang war meine Lieblingsadresse die Villa Ruscha, Ende des 19. Jahrhunderts kurioserweise im Stil eines Schweizer Chalets aus Holz erbaut. Die meisten der dreizehn Wohnungen besitzen einen Balkon (manche auch zwei) oder eine Loggia. Mein bevorzugter Schreibplatz befand sich im geräumigen Wintergarten, in dem ehemals eine Weinstube untergebracht war.

Villa Ruscha

Villa Ruscha

Im letzten Jahr bin ich dann weitergezogen auf die ruhigere Seite der Promenade Richtung Granitz hin. Im Backsteinbau Villa Glückpilz fand ich ein Ein-Zimmer-Apartment in (für meinen Geschmack etwas zu) gediegener Ausstattung, kleinem Erker und Riesenglastisch. Es machte seinem Namen „Bellevue“ Ehre und bot Meerblick selbst von der Küche aus.

Villa Glückspilz

Villa Glückspilz

Den größten Weitblick konnte ich bisher von der großen Loggia in der Villa Agnes aus genießen: vom Kurhaus und der Seebrücke über die Prorarer Wiek bis nach Sassnitz. Und das schönste: Wie viele der anderen Häuser erzählt Ihnen auch die Villa Agnes eine spannende Geschichte. Ein Bäckermeister schenkte sie einst seiner Gattin zum Geburtstag. Ein wirklich zeitloses und großzügiges Präsent!

Aussicht von der Villa Agnes

Aussicht von der Villa Agnes

Sind Sie neugierig geworden und möchten auch erproben, ob Sie mit Meerblick effektiver und leichter schreiben können? Dann kommen Sie doch Ende Mai mit nach Binz in die Schreibwerkstatt auf Rügen. Ich freue mich auf Sie!

Hier finden Sie die erwähnten und ähnliche Unterkünfte: http://www.urlaub-in-binz-auf-ruegen.de/; http://www.villa-ruscha.de/index.html; http://www.strandvillen-binz.de/index.php

Interessante Informationen über einige der Binzer Villen: http://villen.ichbinzwieder.de/unsere-villen/

Alle Angebote unter: http://www.ostseebad-binz.de

Schokoladentorte und Plinsen in Sellin

In „Linstows Geheimnis“ kann die Protagonistin Anna Schwanitz  Kommissar Warnke zu einem informellen Treffen überreden, denn sie möchte ihm Beobachtungen schildern, die sie gemacht hat, und aus denen sie gewagte Schlüsse zieht. Beide treffen sich im Palmengarten des Seebrücken-Restaurants von Sellin, mit gutem Grund:

„Immerhin wartet dort die beste Schokoladentorte der Insel auf uns, aus Valrhona-Schokolade.“

Irgendwann in den folgenden Jahren gab es die dick mit Schokospänen bestreuten Kuchenstückchen dort leider nicht mehr, und auch sonst schwankten die Leistungen der Küche an diesem traumhaften, vom Meer umgebenen Platz. Im Frühjahr 2014 war das Restaurant ganz geschlossen. Inzwischen hat, wenn ich richtig informiert bin, die Kurverwaltung Sellin die Bewirtschaftung übernommen. Ob es wohl wieder die ultimative Schokotorte gibt?

NACHTRAG: Bei meinem Rügenaufenthalt im März 2016 musste ich feststellen, dass es leider die ultimative Plinsenadresse nicht mehr gibt. Die Teestube und die Pension Tatjana in Sellin haben im letzten Herbst geschlossen. Superschade!

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Ich würde meine Heldin heute oberhalb der Seebrücke einkehren lassen. Im Tschaikowski – Restaurant und Teestube (Wilhelmstraße 28) – entschädigen gemütliche rote Plüschsessel, weiß gedeckte Tischchen und der sehr gastfreundliche Service für den fehlenden Ostseeblick. Die Speisekarte bietet russische Spezialitäten wie Borschtsch, Pelmeni und Warenki in bester Qualität. Hier konnte ich endlich auch testen, wie Vogelmilch schmeckt (lecker), eine (ursprünglich polnische) Süßigkeit, die in Dorota Maslowskas rebellischem Jugendroman Schneeweiß und Russenrot häufig erwähnt wird und mich wegen der merkwürdigen Bezeichnung stets aufs Neue irritierte. Doch mein absoluter Favorit im Tschaikowski sind die (süßen) Plinsen mit saurer Sahne und Preiselbeeren. Die sind ein Muss und mindestens ebenso gut wie ehemals die Schokotorte auf der Seebrücke.

Übrigens gehört zum Tschaikowski auch die Pension Tatjana im selben Haus, mit originellen Zimmern, die „Weiße Nächte“ oder „Russischer Wald“ heißen, und eine echte Alternative zu uniform ausgestatteten Hotelzimmern und Apartments sind.