Rügen oder Sylt? Frage und TV-Tipp

Der Reise-Check. Sylt oder Rügen? Als ich beim Studium der Fernsehzeitschrift für die nächste Woche auf diese Sendung stieß, kam ich ins Grübeln. Ob sich das wirklich objektiv messen lässt? Das bezweifle ich. Aber zumindest kann ich mich ganz subjektiv fragen: Welche ist schöner? Welche gefällt mir besser?

SyltSylt kenne ich schon viel länger als Rügen. 1976 arbeitete ich dort sechs Wochen während der Hauptsaison in einem Hotel in Westerland als Zimmermädchen, danach war ich noch drei Mal dort, allerdings mit großen zeitlichen Abständen, zuletzt in diesem Frühjahr. Bei der ersten Begegnung fand ich die Insel großartig, obwohl ich sonst eher für die Ostsee schwärme. An Sylt liebe ich die Brandung, den weiten Horizont, die Muscheln, die Austern, den Strand am Ellenbogen, die grandiose Dünen-, Heide- und Moorlandschaft im Norden, den Kontrast von Watt- und Meerseite, das rote Kliff, die Kurkonzerte mit klassischer Musik in Westerland (früher zumindest). Was mir weniger gefällt: Das Schickimicki-Gehabe mancher Touristen, die Hochhäuser und die Fußgängerzone in Westerland, die Betontetrapoden am Strand, die Preise, und dass man in Westerland nicht einmal im März ohne Kontrolle ans Meer kommt.

Ruegen-Kueste

Rügen entdeckte ich erst 2000. Die Liebe wurde schnell intensiver als die zu Sylt, einmal im Jahr bin ich mindestens dort. Obwohl – ich gebe es zu –, die Ostsee meist viel zahmer ist, der Strand nicht so breit, die Zahl der Sternerestaurants geringer und das Musikprogramm beim Kurkonzert nur selten nach meinem Geschmack. Klippen findet man hier wie dort, zu viel Verkehr und „Gosch“ auch (wenn auch auf Rügen nur ein Mal, auf Sylt allgegenwärtig) und die Preise sind auf Rügen nur (unwesentlich) gemäßigter. Und trotzdem hat Rügen für mich mehr – mehr Atmosphäre, Natur, Abwechslung, Duft. Rügen hat Felder mit Raps, Klatschmohn und Kornblumen, Kreidefelsen, den rasenden Roland, die Granitz mit Buschwindröschen und Maiglöckchen, die Zicker Alpen, die wunderbare Bäderarchitektur, Ferienwohnungen mit tollem Meerblick, alte Alleen, Kopfsteinpflaster, hutzlige Dörfer … Sie merken es, ich bin parteiisch.

Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis Susanne Gebhardt kommt, die den Beitrag für die ARD erstellt hat. Sendetermin: Montag, 13. April, 20.15 bis 21.00 Uhr. Und wie beantworten Sie die Frage Rügen oder Sylt?

Schreiben mit Aussicht

Mit Meerblick kann ich viel leichter schreiben. Ich weiß nicht mehr, wann ich das zuerst bemerkte, aber die Weitsicht bis zum Horizont scheint mich gleichermaßen zu beruhigen und zu inspirieren.  Da ich bin ansonsten extrem langsam schreibe und ewig an meinen Sätzen herumbastele, ist das ein wirklicher Gewinn. Aus diesem Grund bin ich gerne und oft in Binz, lieber als an vielen anderen Orten am Meer. Denn hier gibt es eine vier Kilometer lange, autofreie Promenade, gesäumt von großartigen Villen mit Ornamenten, Rosetten, Türmchen und Erkern, von denen viele an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut wurden. Und in diesen Villen stehen ganz modern ausgestattete Apartments mit Meerblick in großer Zahl zur Auswahl. Zugegeben, es ist etwas teurer als ohne Aussicht, aber die Produktivitätssteigerung macht das wett. In der Vorsaison sind die Wohnungen durchaus bezahlbar, ich halte bevorzugt nach solchen mit einem Erker oder Wintergarten Ausschau, dann habe ich den idealen Schreibplatz, auch wenn die Temperaturen noch niedrig sind.

Im Frühjahr 2000 war ich zum ersten Mal in Binz, damals in der Villa Elfeld. Die Traumwohnung im Turm konnte ich mir nicht leisten, meine besaß nur einen kleinen Seitenerker mit Sessel und Tischchen, doch das genügte. Hier hielt ich mich fast ausschließlich auf, obwohl es einen geräumigen Wohn-Essraum gab. Glücklicherweise konnte ich den freundlichen Hausverwalter überreden, mir einen größeren Tisch in den Erker zu stellen, so waren drei Schreibwochen mit Meerblick gerettet. Wer mit dem Auto fährt, sollte vielleicht für solche Fälle die Anschaffung eines Reiseklapptischs in Erwägung ziehen.

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Viele Jahre lang war meine Lieblingsadresse die Villa Ruscha, Ende des 19. Jahrhunderts kurioserweise im Stil eines Schweizer Chalets aus Holz erbaut. Die meisten der dreizehn Wohnungen besitzen einen Balkon (manche auch zwei) oder eine Loggia. Mein bevorzugter Schreibplatz befand sich im geräumigen Wintergarten, in dem ehemals eine Weinstube untergebracht war.

Villa Ruscha

Villa Ruscha

Im letzten Jahr bin ich dann weitergezogen auf die ruhigere Seite der Promenade Richtung Granitz hin. Im Backsteinbau Villa Glückpilz fand ich ein Ein-Zimmer-Apartment in (für meinen Geschmack etwas zu) gediegener Ausstattung, kleinem Erker und Riesenglastisch. Es machte seinem Namen „Bellevue“ Ehre und bot Meerblick selbst von der Küche aus.

Villa Glückspilz

Villa Glückspilz

Den größten Weitblick konnte ich bisher von der großen Loggia in der Villa Agnes aus genießen: vom Kurhaus und der Seebrücke über die Prorarer Wiek bis nach Sassnitz. Und das schönste: Wie viele der anderen Häuser erzählt Ihnen auch die Villa Agnes eine spannende Geschichte. Ein Bäckermeister schenkte sie einst seiner Gattin zum Geburtstag. Ein wirklich zeitloses und großzügiges Präsent!

Aussicht von der Villa Agnes

Aussicht von der Villa Agnes

Sind Sie neugierig geworden und möchten auch erproben, ob Sie mit Meerblick effektiver und leichter schreiben können? Dann kommen Sie doch Ende Mai mit nach Binz in die Schreibwerkstatt auf Rügen. Ich freue mich auf Sie!

Hier finden Sie die erwähnten und ähnliche Unterkünfte: http://www.urlaub-in-binz-auf-ruegen.de/; http://www.villa-ruscha.de/index.html; http://www.strandvillen-binz.de/index.php

Interessante Informationen über einige der Binzer Villen: http://villen.ichbinzwieder.de/unsere-villen/

Alle Angebote unter: http://www.ostseebad-binz.de

Schokoladentorte und Plinsen in Sellin

In „Linstows Geheimnis“ kann die Protagonistin Anna Schwanitz  Kommissar Warnke zu einem informellen Treffen überreden, denn sie möchte ihm Beobachtungen schildern, die sie gemacht hat, und aus denen sie gewagte Schlüsse zieht. Beide treffen sich im Palmengarten des Seebrücken-Restaurants von Sellin, mit gutem Grund:

„Immerhin wartet dort die beste Schokoladentorte der Insel auf uns, aus Valrhona-Schokolade.“

Irgendwann in den folgenden Jahren gab es die dick mit Schokospänen bestreuten Kuchenstückchen dort leider nicht mehr, und auch sonst schwankten die Leistungen der Küche an diesem traumhaften, vom Meer umgebenen Platz. Im Frühjahr 2014 war das Restaurant ganz geschlossen. Inzwischen hat, wenn ich richtig informiert bin, die Kurverwaltung Sellin die Bewirtschaftung übernommen. Ob es wohl wieder die ultimative Schokotorte gibt?

NACHTRAG: Bei meinem Rügenaufenthalt im März 2016 musste ich feststellen, dass es leider die ultimative Plinsenadresse nicht mehr gibt. Die Teestube und die Pension Tatjana in Sellin haben im letzten Herbst geschlossen. Superschade!

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Plinsen in der Teestube Tschaikowski in Sellin

Ich würde meine Heldin heute oberhalb der Seebrücke einkehren lassen. Im Tschaikowski – Restaurant und Teestube (Wilhelmstraße 28) – entschädigen gemütliche rote Plüschsessel, weiß gedeckte Tischchen und der sehr gastfreundliche Service für den fehlenden Ostseeblick. Die Speisekarte bietet russische Spezialitäten wie Borschtsch, Pelmeni und Warenki in bester Qualität. Hier konnte ich endlich auch testen, wie Vogelmilch schmeckt (lecker), eine (ursprünglich polnische) Süßigkeit, die in Dorota Maslowskas rebellischem Jugendroman Schneeweiß und Russenrot häufig erwähnt wird und mich wegen der merkwürdigen Bezeichnung stets aufs Neue irritierte. Doch mein absoluter Favorit im Tschaikowski sind die (süßen) Plinsen mit saurer Sahne und Preiselbeeren. Die sind ein Muss und mindestens ebenso gut wie ehemals die Schokotorte auf der Seebrücke.

Übrigens gehört zum Tschaikowski auch die Pension Tatjana im selben Haus, mit originellen Zimmern, die „Weiße Nächte“ oder „Russischer Wald“ heißen, und eine echte Alternative zu uniform ausgestatteten Hotelzimmern und Apartments sind.