März 2005: Vor zehn Jahren in Göhren

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Beinahe hätte ich ein kleines Jubiläum vergessen. Das im Moment wenig frühlingshafte Wetter brachte die Erinnerung zurück an den März vor zehn Jahren: Mein Programm mit Schreibreisen war gerade gestartet, ich fuhr nach Rügen, um mein erstes Seminar dort zu veranstalten, erwartete Frühlingsimpressionen und geriet – mitten in den Winter. Es schneite und taute und schneite wieder.

Auf einer der beschwerlichen Wanderungen durch Schneematsch unter grauem Himmel tauchte sie plötzlich auf, die Idee zu meinem ersten Kriminalroman. Bald entwickelte sich auch als Hauptfigur die Hotelsekretärin Anna Schwanitz, die einiges von dem wahrnahm, was auch ich bei der Ankunft auf der Insel bemerkt hatte.

Will dieser Winter denn überhaupt nicht enden?, dachte Anna kurz hinter Gustow. Schon Mitte März, und die Insel ist noch immer weiß. Zwischen den Bäumen der Allee glitzerte verharschter Schnee in der Mittagssonne. Die Dörfer schliefen. […] Das Weiß der Wiesen hob sich scharf vom Blau des Himmels ab. Am Waldrand ästen Rehe, Möwen glitten durch die Luft und stritten mit den Krähen.

Es war das Jahr, in dem die berühmten Kreidefelsen, die Wissower Klinken, ins Meer stürzten und auch an zahlreichen anderen Stellen die Steilküste abbrach.

Am Lobber Haken stoppte Anna, beugte den Oberkörper, stützte die Hände auf die Knie und verschnaufte. Nachdem sie sich wieder aufgerichtet hatte, sah sie sich um: Lehm und Erde waren von der Steilküste herab fast bis ans Wasser gestürzt und hatten Wurzeln, Äste und Zweige mit sich gerissen, die jetzt seltsam verrenkt aus den graubraunen Brocken ragten. Zwei große Abbruchstücke standen aufrecht wie Pyramiden. Dazwischen plackten Reste dreckigen Schnees. Es war ein archaischer, naturgewaltiger Anblick.

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Gemeinsam mit meinen Mann überlegte ich, ob sich nicht ein Mord konstruieren ließe, bei dem ein solcher Erdrutsch bedeutsam sein könnte. Wir kamen zu dem Schluss, das wäre wohl eher unwahrscheinlich, denn es war nicht vorhersehbar, wann die Klippe ins Rutschen geriet. Dass sowohl 2005 als auch in späteren Jahren tatsächlich Spaziergänger unter solchen Erdmassen zu Tode kamen, wusste ich damals nicht. Als die Handlung langsam Gestalt annahm, wurde mir klar, dass sie nicht nur in Eis und Schnee spielen sollte. Ich wollte Leuten, die an einem Sommertag im Strandkorb saßen und den Roman lasen, keine Kälteschauer über den Rücken jagen. Also beschloss ich, im Mai nochmals für ein paar Tage nach Göhren zu fahren. Das Wetter kapriolte weiter:

Was für ein merkwürdiges Jahr, dachte Anna, während sie die Friedrichstraße hinunterlief […]. Der endlose Winter, dann ein total verregneter Frühling, Eisheilige, die ihrem Namen alle Ehre machten, und jetzt – Ende Mai – plötzlich Hochsommer. »Schon zwanzig Grad«, hatte Edgar ihr vom Parkplatz aus hinterhergerufen. Dabei war es gerade erst zehn Uhr.

Es war knallheiß an diesem Wochenende und im Sonnenschein sah alles so ganz anders aus als gerade mal zwei Monate vorher. Auch die Steilküste.

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Anna hatte den Strand erreicht. Träge dümpelten ein paar Boote im Wasser, davor schaukelten Silbermöwen. Die Luft war wie Seide. Annas Blick glitt sofort hinüber zum Lobber Ort, den Dunstschleier umhüllten. Die Erdklumpen schienen unverändert. Rechts am Dünensaum hatten sich Urlauber mit Sonnenschirm, Windschutz und Liegestuhl eingerichtet und ihre bleichen, glänzenden Körper ausgebreitet. In ein bis zwei Stunden würden sie krebsrot sein. Der angeschwemmte Seetang dünstete in der Hitze den Geruch von Salz, Jod und fauligem Fisch aus.

Auch die Erlebnisse waren ganz andere. Viele Details entdeckte ich auf langen Spaziergängen. Jetzt wusste ich schon genau, wonach ich suchte. Danach fielen das Plotten und Schreiben viel leichter. Aber es sollte noch bis 2007 dauern, bis das Manuskript abgeschlossen war.

Jetzt ist der Rügenkrimi Linstows Geheimnis als E-Book zum Jubiläumspreis von 0,99 Euro zu haben. Ob sich damit der Frühling hervorlocken lässt? Ich hoffe es.

Die Printversion kostet 11,90 Euro. Hier können Sie einen Blick ins Buch werfen.

Leseprobe: Der Seite-99-Test für „Linstows Geheimnis“

Sie haben sicher schon davon gehört. Um festzustellen, ob einem ein Buch gefällt, sollte man nicht die erste Seite, sondern irgendeine beliebige aufschlagen und lesen. Häufig wird dafür Seite 99 ausgewählt. Hier ist sie:

»Was soll daran komisch sein?«, entgegnete Anna, die Mühe hatte, aus ihrem Kummer aufzutauchen. »Was meinst du, wie viele Gäste sich beschweren, weil ihren Karossen fast der Auspuff abfällt, wenn sie sich hier hochquälen müssen.«

»Genau das meine ich«, sagte Marlene. »Die Menschen wollen immer alles. Unverfälschte Natur, Authentizität, Ursprünglichkeit, aber bitteschön auf breiten Straßen, am besten auf Autobahnen, mit Tempo zweihundert zu erreichen.«

Stimmt schon, dachte Anna. Die Gäste wollten immer möglichst schnell am Ziel sein. Sie murrten über Kopfsteinpflaster und fehlende Parkplätze, erwarteten aber, drei Schritte hinter dem abgestellten Wagen Idylle pur zu finden. Auf der bereits erneuerten Waldstraße kamen sie zügig voran. Außer ihnen war niemand unterwegs. Nur das gleichmütige Wusch-Wusch des Meeres kam näher und näher. Am Ende der Waldstraße blieben sie stehen. Von hier aus führte ein steiler, unbefestigter Weg zum Bahnhof hinab.

»Sollen wir es wagen?«, fragte Anna, als sie sah, dass Schneeschmelze und Regen den Pfad in einen Morast verwandelt hatten.

»Ich habe Hunger«, sagte Marlene.

»Na, dann los.« Auch Anna hatte keine Lust, umzukehren und den Umweg über die Strandstraße zu nehmen. Im Finstern rutschten und stolperten sie bergab. Sie suchten Halt am wackligen Holzgeländer, und dort, wo die Stangen zerborsten am Boden lagen, aneinander. Endlich standen sie auf der Bahnhofstraße. Im Schein der Laterne betrachteten sie ihre vom Holz aufgeschabten Handflächen und ihre schlammbespritzten Schuhe und Jeans.

»Abenteuer Alltag«, sagte Anna.

»Idylle und Authentizität«, ergänzte Marlene. Und dann prusteten sie beide los.

Gleich gegenüber lag die ›Räucherstube‹, ein roter Steinbau im Fachwerkstil mit grasgrünen Fensterläden und tief herabgezogenem Holzdach, unter dem im Frühjahr die Schwalben

Wenn „Linstows Geheimnis“ den Test bestanden hat: Hier können Sie den Rügenkrimi als E-Book zum Sonderpreis von 0,99 Euro (statt 4,99 Euro) oder als Printversion für 11,90 Euro kaufen.

 

Urlaubslektüre gesucht? Gewinnen Sie „Linstows Geheimnis“

Goehren-Klippen-kleinDas Wetter hatte schon wieder gewechselt. Der Wind trieb Regen vor sich her, der den Schnee zum Schmelzen brachte. Das Meer rauschte schäumend über die Steine. Doch in Annas Kopf schien die Sonne. Glenn Millers Swing kribbelte noch in den Beinen und machte das Laufen leicht. Im Kopf fuhr ein einziger Gedanke Karussell: Er liebt mich, er liebt mich, er liebt mich.

Die Konturen des Lobber Hakens verschwammen hinter einem Regenschleier. Beim Näherkommen bemerkte Anna einen roten Fleck im Abbruch. Was mochte das sein? Auf jeden Fall etwas, das gestern noch nicht dort gelegen hatte. Oder vom Schnee verdeckt worden war. Genau dort war die Erdpyramide zusammengestürzt.

Anna behielt das Rot im Blick. Irgendwann begann eine Alarmglocke tonlos zu schrillen, ließ den Swing verstummen, stoppte den kreiselnden Gedanken und signalisierte stattdessen – ja, was eigentlich? Unruhe? Angst? Plastikschrott könnte es sein … eine leere Coladose … Warum kam sie nur so langsam voran? Grober Kies bremste ihren Lauf. Rot … Himbeerrot … – nah, noch näher – jetzt hatte sie die Stelle erreicht.

Zwischen Lehmbrocken und Schneeresten schimmerte ein Stück schmutziger, himbeerroter Stoff. Anna versuchte ihn hervorzuziehen, vergeblich. Der Lehm klebte zäh am Gewebe und an den Händen.

Abrupt drehte sie sich um und lief, nein, rannte zurück. Da war kein Wissen, nichts. Nur ein Gefühl trieb sie vorwärts.

Hat Sie dieser kleine Ausschnitt neugierig gemacht? Möchten Sie den Rügenkrimi „Linstows Geheimnis“ ganz lesen? Sie können ihn überall im Buchhandel kaufen oder ihn gewinnen. Weil das Buch eine ideale Urlaubs- und Strandkorblektüre ist, verlose ich zum Sommerbeginn zwei Exemplare. Wenn Sie teilnehmen möchten, schreiben Sie bis einschließlich nächsten Samstag, 21. Juni, einen Kommentar zu diesem Beitrag. Vielleicht mögen Sie verraten, wo Sie am liebsten lesen und wo Sie „Linstows Geheimnis“ lesen würden? Unter allen Kommentaren werden die beiden Gewinner nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Ich freue mich über Ihre Nachrichten.

Das Abenteuer einer Veröffentlichung

ABB-cover-LinstowIch habe mich sehr gefreut, als ich neulich durch Zufall entdeckte, dass der Baedecker-Reiseführer Rügen, Hiddensee in der neusten Auflage (9te, 2014) Linstows Geheimnis empfiehlt, als:

„Regionalkrimi um die Hauptfigur Anna Schwanitz samt Mord, Liebesgeschichte, Sterne-Menüs und falschen Fährten.“ (S. 331)

Aber leider stimmen die Verlagsangaben nicht mehr, denn der Krimi hat eine etwas abenteuerliche Veröffentlichungsgeschichte hinter sich:

Das Manuskript reiste zunächst durch die Lektorate der Republik, ein renommierter Verlag überlegte zwei Jahre, ob er es drucken wollte oder nicht. Dann meldete sich der traditionsreiche Greifenverlag, 1919 zuerst gegründet und nach einigen Profiländerungen zu DDR-Zeiten mit der Buchreihe der Greifenkrimis Kultstatus erlangend. 1993 war der Verlag abgewickelt worden, 2009 kam es zur Wiedergründung. Auch die Greifenkrimis sollten an den alten Erfolg anknüpfen, und zwar mit Linstows Geheimnis zum Auftakt. Es wurde – ein Flop. Ein Hauptgrund dafür war sicher der Verkaufspreis von 16,90 Euro, für ein Taschenbuch von 200 Seiten unangemessen hoch. Es folgten noch einige Bände der Reihe, dann wurde es immer stiller um den Verlag, 2011 musste er Insolvenz anmelden.

Ich forderte meine Verwertungsrechte zurück. Und beschloss, mein erstes E-Book herauszubringen. Das ging schnell und problemlos, und so fand Linstows Geheimnis seit Sommer 2012 einige Tausend Leser. Die Bewertungen (bei Amazon) sind mehrheitlich sehr positiv.  Seit Ende Mai gibt es Linstows Geheimnis nun endlich auch wieder gedruckt. Das Taschenbuch kostet jetzt übrigens nur noch 11,90 Euro, das E-Book 4,99 Euro.

Die Entstehungsgeschichte von Linstows Geheimnis begann noch ein paar Jahre vorher. Doch davon erzähle ich ein anderes Mal.

Leidenschaft für Rügen

Sie und Rügen – das war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick gewesen. Immer wieder fragte Anna sich, woran es lag. Waren es die klaren Farben der Landschaft, die Melodie des Meeres, der Salzgeruch des Windes? Oder alles zusammen? Jedenfalls war sie zum ersten Mal in ihrem Leben sicher gewesen, den Ort gefunden zu haben, an den sie gehörte.

Genauso wie Anna Schwanitz, der Heldin meines Krimis Linstows Geheimnis, geht es mir auch. Im Jahr 2000 war ich zum ersten Mal auf der Insel. Und seither immer wieder. Ich liebe Heide, Birken und Buchen, Klatschmohn- und Rapsfelder im Frühjahr, den bunten Wald der Granitz im Herbst, die Promenade in Binz, den stillen Schmachter See, natürlich die Ostsee und tausend Dinge mehr. Hier lebe ich in einem wunderbaren Kontrast zur Großstadt Köln, kann entspannen und vor allem kreativ sein. Auf langen Strandspaziergängen plane ich Handlungen und entwickle Figuren, und mit Blick aufs Meer kann ich viel besser schreiben als am Schreibtisch zu Hause. Hier begann mein Leben als Krimiautorin.

Mit meinem Blog möchte ich Sie anstecken mit meiner Leidenschaft für Rügen. Ich erzähle von meiner Arbeit an meinen Krimis, verrate Ihnen meine Lieblingsorte und was man sonst unbedingt alles machen sollte, wenn man auf Rügen zu Besuch ist. Lassen Sie sich überraschen.

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