Leseprobe: Tod an der Teufelsschlucht (1)

1-AussichtDer Tag versprach traumhaft zu werden. Katja lief auf dem Streifen zwischen Meer und Strand der Sonne entgegen und summte vor sich hin. War es überhaupt erlaubt, so glücklich zu sein? Manchmal konnte sie es kaum fassen. Mit Anfang vierzig einen Mann kennenzulernen, der aufmerksam und charmant war, blendend aussah und keine Kinder oder Exfrauen zu versorgen hatte – das glich einem Sechser im Lotto. Ihr war es wirklich und wahrhaftig passiert!

Aus: Tod an der Teufelsschlucht, E-Book, 99 Cent. Jetzt herunterladen.

 

Advertisements

Rosenstrauss am Strand – dekonstruiert

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Merkwürdige Funde am Strand von Binz im letzten März. Zuerst dachte ich, ein Liebespaar habe sie verteilt. Doch dafür lagen sie zu weit auseinander. Als ich am nächsten Morgen an ganz anderer Stelle noch diese gelben Rosen entdeckte, kam mir ein anderer Gedanke.

Vielleicht handelte es sich um die angeschwemmten Überbleibsel einer Seebestattung? Wer hat noch andere Vorschläge? Stoff für eine Geschichte?

Lieblingswanderung: von Göhren nach Binz

Diese Tour ist ein fester Programmpunkt jedes Rügenaufenthalts: von Göhren zurück nach Binz – rund fünfzehn abwechslungsreiche Kilometer.

Für die Hinfahrt nach Göhren haben Sie die Wahl zwischen der Bäderbahn »Rasender Roland« und dem Bus Linie 20. Der Zug ist etwas teurer und langsamer (44 zu 37 Minuten) und fährt seltener als der Bus, dafür ist die Anreise mit dem Dampfbähnchen ein nostalgisches Vergnügen und führt mitten durch die Landschaft, die anschließend durchwandert wird.

Wer sich Göhren ansehen möchte, steigt oben im Ort »Poststraße« aus, die Wanderung beginnt unten an der Bernsteinpromenade bzw. Haltestelle »Bahnhof«. Wer sich zuvor stärken möchte, kauft sich eines der leckeren Fischbrötchen in der »Räucherei« oder versorgt sich mit süßen Köstlichkeiten im Sanddornwaggon gleich nebenan.

Wir gehen bis Baabe auf der schnurgeraden Promenade, weil man im feinen weichen Sand des Nordstrands nur schwer vorankommt. So können die Blicke ungehindert von rechts nach links und wieder zurück pendeln: über die Dünen hinweg zur Ostsee auf der einen Seite und zu den Datschen und skandinavischen Holzhäuschen des Regenbogencamps auf der anderen. Die Ortsgrenze zwischen Göhren und Baabe ist nur durch eine Markierung im Pflaster zu erkennen. Spätestens am Selliner Südstrand, wo die Promenade endet, muss man ans Wasser wechseln. Die Seebrücke mit der Tauchglocke ist schon zu sehen, doch dazwischen liegt noch eine Biegung mehr als gedacht. Jetzt führt uns der Weg am Wellensaum entlang – je nach Wetter- und Wasserverhältnissen durch festen feuchten oder weichen Sand, später dann über Steine und Kies. Zur Linken ragt das Hochufer steil auf, von dem sich immer wieder mal Brocken ablösen, Bäume und Sträucher des Selliner Waldes mit sich reißend. Wir passieren wir die Bronzeskulptur »Kaysa« des Rostocker Bildhauers Thomas Jastram, die auf einem Felsen im Wasser steht, und wenn wir die Klippennase Quitzlaser Ort umrundet haben, liegt der Selliner Nordstrand mit der Seebrücke vor uns. Über die Holztreppe klettern wir 99 Stufen hinauf zur Wilhelmstraße (es gibt auch einen Lift).

In Sellin ist etwa die Hälfte der Strecke geschafft, beste Gelegenheit also für eine  Verschnaufpause. Früher hätte ich Ihnen den traumhaften Schokoladenkuchen im Restaurant auf der Seebrücke oder die köstlichen Plinsen in der Teestube Tschaikowski auf der Wilhelmstraße empfohlen. Doch leider ist die Teestube (und die Pension Tatjana) seit Herbst 2015 geschlossen und das Seebrückenrestaurant wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Pächtern geführt, mit teilweise nicht überzeugendem Angebot. Wie es im Moment um die Qualität von Speisen und Getränken bestellt ist, vermag ich nicht zu sagen, denn bei meinem letzten Aufenthalt im März 2016 war um 11:30 Uhr noch nicht geöffnet.

Doch im Bäckereicafé der »Mecklenburger Backstuben« (Wilhelmstraße 22) fühlten wir uns gut aufgehoben. Kaffee und Kuchen schmeckten prima, der Cappuccino trug eine superdicke Milchschaumhaube, es gibt auch herzhafte Snacks. Auf der Wilhelmstraße finden sich noch zahlreiche weitere Bistros, Restaurants und Cafés für jeden Geschmack und Geldbeutel. Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich?

Der zweite Teil der Wanderung ist gänzlich anders geartet als der erste. Es geht über die Granitz und das bedeutet: Buchen, Buchen, Buchen. Gehen Sie gleich hinter der Seebrückentreppe vor dem Hotel Kurhaus durch die Anlage rechts hinauf (oder über die Warmbadstraße, dann oben rechts halten). Der Weg führt im steten Auf und Ab zunächst noch relativ nahe an der Steilküste entlang und bietet immer wieder zwischen den Buchenstämmen traumhafte Durchblicke auf das smaragdfarben schimmernde Meer, bei klarer Sicht bis hin zu den Kreidefelsen. Doch Obacht vor tückischen Baumwurzeln, über die sich trefflich stolpern lässt. In den Geruch nach Meer mischt sich je nach Jahreszeit der zarte Duft von Buschwindröschen, Veilchen oder Maiglöckchen, im Herbst das erdige Aroma von Pilzen. Beim Aussichtspunkt Falkenberg (oder »Waldhalle«, nach einem inzwischen abgerissenen Ausflugslokal) biegen wir links ab ins Innere der Granitz. Der nördliche Weg weiter an den Klippen ist wegen der gefährdeten Abbruchkante nicht durchgängig begehbar. Übrigens ist es auch nicht möglich, am Strand entlang von Sellin nach Binz zu wandern, die Strecke ist durchgängig sehr steinig, und je nach Wellengang schlägt das Wasser bis an die Klippen.

Die ausgeschilderte Route führt mit einem Abstecher zum verwunschen wirkenden Schwarzen See (unbedingt empfehlenswert) bis zur Kreuzeiche und dann am Moorgebiet Große Wiese entlang, der Weg weitet sich zur teilweise mit Betonbohlen belegten Straße. Wir gehen durch die Teufelsschlucht zurück ans Ufer. Hier, am wilden Naturstrand von Binz, sind gern die Hobbybernsteinsucher unterwegs. Am Ende geht es noch wenige Meter durch Sand und über Steine und dann ist die Promenade von Binz erreicht. Alternativ kann man an der Teufelsschlucht auf der Höhe bleiben und später über eine steile Holztreppe absteigen.

Direkt am Beginn der Strandpromenade von Binz bietet sich die Fischräucherei Kuse an, den Abschluss der Wanderung gebührend zu genießen. Von der windgeschützten, sonnigen Terrasse schaut man auf die Binzer Seebrücke oder aufs Meer. Es gibt Kaffee, Softgetränke und Bier, zu essen allerdings ausschließlich Räucherfisch und sensationelle (sauer eingelegte) Pfefferheringe.

Ich wünsche viel Spaß beim Wandern und Genießen.

 

Lieblingslokal in Binz: Die Strandhalle

Es ist oft gar nicht so leicht, am Urlaubsort Lokale mit richtig guter Küche zu finden. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Restaurants, die mit vollmundigen Anzeigen in den Touristeninformationen werben, nicht überzeugen. Und so habe ich die besten Adressen oft erst relativ spät entdeckt. So erging es mir auch mit der Strandhalle bei meinem ersten Urlaub in Binz im Jahr 2000. Sie liegt etwas versteckt fast am Ende der Promenade und macht nirgendwo Werbung. Wozu auch? Die Genießer finden die Strandhalle irgendwann trotzdem. In der Vorsaison hat man mittags manchmal das Glück, ohne Anmeldung einen freien Tisch zu bekommen, abends geht ohne Reservierung meist nichts.

Binz-Strandhalle

Beeindruckend ist zunächst die Halle selbst, die viel größer ist, als das Äußere vermuten lässt. Der Holzbau mit der hohen Decke wurde früher als Winterlager für Strandkörbe genutzt und im Sommer als Tanzsaal. Heute umfängt den Besucher sogleich eine Atmosphäre charmanter Plüschigkeit. Tische, Sessel, Sofas und Stühle präsentieren sich als bunter Mix aus den verschiedensten historischen Epochen und Stilen. Am schönsten sitzt es sich auf der hellen, verglasten Veranda mit Meerblick, doch die Plätze dort sind fast immer besetzt. Weiter hinten im Raum ist es etwas dunkler, aber dafür sehr gemütlich. Empfang und Service sind auch bei größerem Andrang ausgesprochen freundlich und professionell.

Die Strandhalle konzentrierte sich schon auf regionale Produkte, als das anderswo noch kein Thema war. Kurios, dass es ausgerechnet ein Ostwestfale ist, der traditionsreiche Gerichte der Insel präsentiert und neue kreiert. 1997 eröffnete der erfahrene Koch Toni Münsterteicher die Strandhalle, inzwischen ist sein Sohn in seine Fußstapfen getreten.

Die Karte ändert sich in jeder Saison, doch einige Gerichte halten sich (glücklicherweise) länger. Unbedingt empfehlenswert ist der Ostseedorsch unter der Kartoffelkruste: ein großes, saftiges Stück Fischfilet mit Schuppen aus knusprigen Kartoffelstreifchen, umgossen mit einer samtigen, hellgrünen Basilikumsoße und ergänzt durch Wirsing, bei dem nicht mit Sahne gespart wurde. Mit einer milden Birnen-Selleriesuppe vorweg und einem karamellisierten »Scheiterhaufen« mit Äpfeln und Vanilleeis als Dessert wird daraus der ultimative Menü-Klassiker, der die Lieblingsgerichte der Gäste vereint. Doch Achtung: Die Portionen sind üppig und gehaltvoll. Wer keinen ganz großen Hunger hat, sollte sich für die jeweils angebotenen kleineren Varianten entscheiden. Matjesfreunde werden mit einer reichhaltigen Platte verschiedenster Fischzubereitungen glücklich, die mit Bratkartoffeln und Gurkensalat serviert wird. Wer Deftiges mag, entscheidet sich vielleicht für Gademower Würstchen mit Speck umwickelt und im Bierteig gebacken, für Sauerfleisch oder gebratene Blutwurst. Daneben nimmt die Küche auch moderne Trends wie den spielerischen Umgang mit Texturen auf. Dafür stehen zum Beispiel Ochsenschwanzpraline, geräucherte Jakobsmuscheln, Parmesaneis und Olivenschnee. Auch Vegetarier und Veganer können sich kulinarisch verwöhnen lassen.

Die Qualität der Zubereitungen ist von gleichbleibend überzeugendem Niveau, geboten wird eine bürgerliche Küche im besten Sinne. In all den Jahren, die ich dort gegessen habe, oft auch in größeren Gruppen, gab es nie etwas zu beanstanden.

Als Aperitif empfiehlt sich Sekt mit einem Schuss Sanddornlikör, auch die Sanddornschorle ist lecker. Die Auswahl an offenen Weinen ist für ein norddeutsches Lokal in Ordnung, Biertrinker kommen sowie auf ihre Kosten, unter anderem mit den Spezialbieren der Störtebeker-Brauerei aus Stralsund, und als Digestif locken die großartigen(deshalb auch nicht ganz preiswerten) Brände der Ersten Edeldestillerie auf Rügen.

Welches ist Ihr Lieblingslokal in Binz und auf der Insel?

Strandhalle Binz, Strandpromenade 5, 18609 Ostseebad Binz, Telefon: (03 83 93) 3 15 64
Öffnungszeiten: Täglich von 12 bis 22 Uhr; Montag Ruhetag. Ab November: Di-Fr ab 17 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr; Montag Ruhetag

Rügen oder Sylt? Frage und TV-Tipp

Der Reise-Check. Sylt oder Rügen? Als ich beim Studium der Fernsehzeitschrift für die nächste Woche auf diese Sendung stieß, kam ich ins Grübeln. Ob sich das wirklich objektiv messen lässt? Das bezweifle ich. Aber zumindest kann ich mich ganz subjektiv fragen: Welche ist schöner? Welche gefällt mir besser?

SyltSylt kenne ich schon viel länger als Rügen. 1976 arbeitete ich dort sechs Wochen während der Hauptsaison in einem Hotel in Westerland als Zimmermädchen, danach war ich noch drei Mal dort, allerdings mit großen zeitlichen Abständen, zuletzt in diesem Frühjahr. Bei der ersten Begegnung fand ich die Insel großartig, obwohl ich sonst eher für die Ostsee schwärme. An Sylt liebe ich die Brandung, den weiten Horizont, die Muscheln, die Austern, den Strand am Ellenbogen, die grandiose Dünen-, Heide- und Moorlandschaft im Norden, den Kontrast von Watt- und Meerseite, das rote Kliff, die Kurkonzerte mit klassischer Musik in Westerland (früher zumindest). Was mir weniger gefällt: Das Schickimicki-Gehabe mancher Touristen, die Hochhäuser und die Fußgängerzone in Westerland, die Betontetrapoden am Strand, die Preise, und dass man in Westerland nicht einmal im März ohne Kontrolle ans Meer kommt.

Ruegen-Kueste

Rügen entdeckte ich erst 2000. Die Liebe wurde schnell intensiver als die zu Sylt, einmal im Jahr bin ich mindestens dort. Obwohl – ich gebe es zu –, die Ostsee meist viel zahmer ist, der Strand nicht so breit, die Zahl der Sternerestaurants geringer und das Musikprogramm beim Kurkonzert nur selten nach meinem Geschmack. Klippen findet man hier wie dort, zu viel Verkehr und „Gosch“ auch (wenn auch auf Rügen nur ein Mal, auf Sylt allgegenwärtig) und die Preise sind auf Rügen nur (unwesentlich) gemäßigter. Und trotzdem hat Rügen für mich mehr – mehr Atmosphäre, Natur, Abwechslung, Duft. Rügen hat Felder mit Raps, Klatschmohn und Kornblumen, Kreidefelsen, den rasenden Roland, die Granitz mit Buschwindröschen und Maiglöckchen, die Zicker Alpen, die wunderbare Bäderarchitektur, Ferienwohnungen mit tollem Meerblick, alte Alleen, Kopfsteinpflaster, hutzlige Dörfer … Sie merken es, ich bin parteiisch.

Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis Susanne Gebhardt kommt, die den Beitrag für die ARD erstellt hat. Sendetermin: Montag, 13. April, 20.15 bis 21.00 Uhr. Und wie beantworten Sie die Frage Rügen oder Sylt?

März 2005: Vor zehn Jahren in Göhren

Goehren-2005

Beinahe hätte ich ein kleines Jubiläum vergessen. Das im Moment wenig frühlingshafte Wetter brachte die Erinnerung zurück an den März vor zehn Jahren: Mein Programm mit Schreibreisen war gerade gestartet, ich fuhr nach Rügen, um mein erstes Seminar dort zu veranstalten, erwartete Frühlingsimpressionen und geriet – mitten in den Winter. Es schneite und taute und schneite wieder.

Auf einer der beschwerlichen Wanderungen durch Schneematsch unter grauem Himmel tauchte sie plötzlich auf, die Idee zu meinem ersten Kriminalroman. Bald entwickelte sich auch als Hauptfigur die Hotelsekretärin Anna Schwanitz, die einiges von dem wahrnahm, was auch ich bei der Ankunft auf der Insel bemerkt hatte.

Will dieser Winter denn überhaupt nicht enden?, dachte Anna kurz hinter Gustow. Schon Mitte März, und die Insel ist noch immer weiß. Zwischen den Bäumen der Allee glitzerte verharschter Schnee in der Mittagssonne. Die Dörfer schliefen. […] Das Weiß der Wiesen hob sich scharf vom Blau des Himmels ab. Am Waldrand ästen Rehe, Möwen glitten durch die Luft und stritten mit den Krähen.

Es war das Jahr, in dem die berühmten Kreidefelsen, die Wissower Klinken, ins Meer stürzten und auch an zahlreichen anderen Stellen die Steilküste abbrach.

Am Lobber Haken stoppte Anna, beugte den Oberkörper, stützte die Hände auf die Knie und verschnaufte. Nachdem sie sich wieder aufgerichtet hatte, sah sie sich um: Lehm und Erde waren von der Steilküste herab fast bis ans Wasser gestürzt und hatten Wurzeln, Äste und Zweige mit sich gerissen, die jetzt seltsam verrenkt aus den graubraunen Brocken ragten. Zwei große Abbruchstücke standen aufrecht wie Pyramiden. Dazwischen plackten Reste dreckigen Schnees. Es war ein archaischer, naturgewaltiger Anblick.

Goehren-2005-2

Gemeinsam mit meinen Mann überlegte ich, ob sich nicht ein Mord konstruieren ließe, bei dem ein solcher Erdrutsch bedeutsam sein könnte. Wir kamen zu dem Schluss, das wäre wohl eher unwahrscheinlich, denn es war nicht vorhersehbar, wann die Klippe ins Rutschen geriet. Dass sowohl 2005 als auch in späteren Jahren tatsächlich Spaziergänger unter solchen Erdmassen zu Tode kamen, wusste ich damals nicht. Als die Handlung langsam Gestalt annahm, wurde mir klar, dass sie nicht nur in Eis und Schnee spielen sollte. Ich wollte Leuten, die an einem Sommertag im Strandkorb saßen und den Roman lasen, keine Kälteschauer über den Rücken jagen. Also beschloss ich, im Mai nochmals für ein paar Tage nach Göhren zu fahren. Das Wetter kapriolte weiter:

Was für ein merkwürdiges Jahr, dachte Anna, während sie die Friedrichstraße hinunterlief […]. Der endlose Winter, dann ein total verregneter Frühling, Eisheilige, die ihrem Namen alle Ehre machten, und jetzt – Ende Mai – plötzlich Hochsommer. »Schon zwanzig Grad«, hatte Edgar ihr vom Parkplatz aus hinterhergerufen. Dabei war es gerade erst zehn Uhr.

Es war knallheiß an diesem Wochenende und im Sonnenschein sah alles so ganz anders aus als gerade mal zwei Monate vorher. Auch die Steilküste.

Goehren-2005-Mai-2

Anna hatte den Strand erreicht. Träge dümpelten ein paar Boote im Wasser, davor schaukelten Silbermöwen. Die Luft war wie Seide. Annas Blick glitt sofort hinüber zum Lobber Ort, den Dunstschleier umhüllten. Die Erdklumpen schienen unverändert. Rechts am Dünensaum hatten sich Urlauber mit Sonnenschirm, Windschutz und Liegestuhl eingerichtet und ihre bleichen, glänzenden Körper ausgebreitet. In ein bis zwei Stunden würden sie krebsrot sein. Der angeschwemmte Seetang dünstete in der Hitze den Geruch von Salz, Jod und fauligem Fisch aus.

Auch die Erlebnisse waren ganz andere. Viele Details entdeckte ich auf langen Spaziergängen. Jetzt wusste ich schon genau, wonach ich suchte. Danach fielen das Plotten und Schreiben viel leichter. Aber es sollte noch bis 2007 dauern, bis das Manuskript abgeschlossen war.

Jetzt ist der Rügenkrimi Linstows Geheimnis als E-Book zum Jubiläumspreis von 0,99 Euro zu haben. Ob sich damit der Frühling hervorlocken lässt? Ich hoffe es.

Die Printversion kostet 11,90 Euro. Hier können Sie einen Blick ins Buch werfen.

Schreiben mit Aussicht

Mit Meerblick kann ich viel leichter schreiben. Ich weiß nicht mehr, wann ich das zuerst bemerkte, aber die Weitsicht bis zum Horizont scheint mich gleichermaßen zu beruhigen und zu inspirieren.  Da ich bin ansonsten extrem langsam schreibe und ewig an meinen Sätzen herumbastele, ist das ein wirklicher Gewinn. Aus diesem Grund bin ich gerne und oft in Binz, lieber als an vielen anderen Orten am Meer. Denn hier gibt es eine vier Kilometer lange, autofreie Promenade, gesäumt von großartigen Villen mit Ornamenten, Rosetten, Türmchen und Erkern, von denen viele an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut wurden. Und in diesen Villen stehen ganz modern ausgestattete Apartments mit Meerblick in großer Zahl zur Auswahl. Zugegeben, es ist etwas teurer als ohne Aussicht, aber die Produktivitätssteigerung macht das wett. In der Vorsaison sind die Wohnungen durchaus bezahlbar, ich halte bevorzugt nach solchen mit einem Erker oder Wintergarten Ausschau, dann habe ich den idealen Schreibplatz, auch wenn die Temperaturen noch niedrig sind.

Im Frühjahr 2000 war ich zum ersten Mal in Binz, damals in der Villa Elfeld. Die Traumwohnung im Turm konnte ich mir nicht leisten, meine besaß nur einen kleinen Seitenerker mit Sessel und Tischchen, doch das genügte. Hier hielt ich mich fast ausschließlich auf, obwohl es einen geräumigen Wohn-Essraum gab. Glücklicherweise konnte ich den freundlichen Hausverwalter überreden, mir einen größeren Tisch in den Erker zu stellen, so waren drei Schreibwochen mit Meerblick gerettet. Wer mit dem Auto fährt, sollte vielleicht für solche Fälle die Anschaffung eines Reiseklapptischs in Erwägung ziehen.

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Vom Wintergarten in der Villa Ruscha aus

Viele Jahre lang war meine Lieblingsadresse die Villa Ruscha, Ende des 19. Jahrhunderts kurioserweise im Stil eines Schweizer Chalets aus Holz erbaut. Die meisten der dreizehn Wohnungen besitzen einen Balkon (manche auch zwei) oder eine Loggia. Mein bevorzugter Schreibplatz befand sich im geräumigen Wintergarten, in dem ehemals eine Weinstube untergebracht war.

Villa Ruscha

Villa Ruscha

Im letzten Jahr bin ich dann weitergezogen auf die ruhigere Seite der Promenade Richtung Granitz hin. Im Backsteinbau Villa Glückpilz fand ich ein Ein-Zimmer-Apartment in (für meinen Geschmack etwas zu) gediegener Ausstattung, kleinem Erker und Riesenglastisch. Es machte seinem Namen „Bellevue“ Ehre und bot Meerblick selbst von der Küche aus.

Villa Glückspilz

Villa Glückspilz

Den größten Weitblick konnte ich bisher von der großen Loggia in der Villa Agnes aus genießen: vom Kurhaus und der Seebrücke über die Prorarer Wiek bis nach Sassnitz. Und das schönste: Wie viele der anderen Häuser erzählt Ihnen auch die Villa Agnes eine spannende Geschichte. Ein Bäckermeister schenkte sie einst seiner Gattin zum Geburtstag. Ein wirklich zeitloses und großzügiges Präsent!

Aussicht von der Villa Agnes

Aussicht von der Villa Agnes

Sind Sie neugierig geworden und möchten auch erproben, ob Sie mit Meerblick effektiver und leichter schreiben können? Dann kommen Sie doch Ende Mai mit nach Binz in die Schreibwerkstatt auf Rügen. Ich freue mich auf Sie!

Hier finden Sie die erwähnten und ähnliche Unterkünfte: http://www.urlaub-in-binz-auf-ruegen.de/; http://www.villa-ruscha.de/index.html; http://www.strandvillen-binz.de/index.php

Interessante Informationen über einige der Binzer Villen: http://villen.ichbinzwieder.de/unsere-villen/

Alle Angebote unter: http://www.ostseebad-binz.de